Barrierefrei parken und einkaufen in Frankreich

Parkverbotsschild mit Hinweis
„Wenn du meinen Parkplatz nimmst, dann nimm auch meine Behinderung“
Von unseren europäischen Nachbarn können wir wirklich lernen. Auch Frankreich, Italien und Polen haben kluge Ideen, um Barrieren im Alltag zu überwinden.

In diesem Jahr habe ich Urlaub in der Provence gemacht. Und was soll ich sagen, noch das entlegenste Bergdorf bietet einen blau grundierten Behinderten-Parkplatz. Aber „natürlich“ kämpfen auch die Franzosen mit uneinsichtigen Zeitgenossen, die diese Parkplätze unberechtigt blockieren. Die zugehörigen Parkverbot-Schilder werden also auch schon mal durch Hinweise auf hohe Strafzahlungen (150 Euro in einem Beispiel) ergänzt. Besonders gut hat mir das nebenstehende Kombi-Schild gefallen. Der Lions Club hat ein ergänzendes Schild gesponsert auf dem steht: Wenn du meinen Parkplatz nimmst, dann nimm auch meine Behinderung. Weiterlesen

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Farbenblind am Laserdrucker

Im immer wieder lesenswerten Techniktagebuch berichtet Verenka am 18.09.2015 von Ihrem Vater und seinem neuen Laserdrucker. Ihr Vater kann das Papierfach nicht auf Din A4 einstellen. Nicht weil der Drucker von Samsung das nicht bietet, sondern weil er nicht barrierefrei ist: Der Einstellhebel für das Papierfach ist Minz-Grün und für den Rot-Grün blinden Vater von Verenka ist er von dem grauen Rest des Papierfaches einfach nicht zu unterscheiden; er kann ihn nicht sehen.

Das ist schon bemerkenswert: Ein Konzern wie Samsung wirft also ein Gerät auf den Markt, das von etwa 5 Prozent der Bevölkerung (überwiegend Männern) nicht barrierefrei eingerichtet werden kann.

Umfrage: Diskriminierung in Deutschland 2015

Noch bis zum 30. November 2015 können wir uns an einer bundes·weiten Online-Umfrage der Anti·diskriminierungs·­stelle des Bundes (ADS) beiteiligen. Unter dem Motto »Sie haben es erlebt? Berichten Sie davon!« soll Diskriminierung sichtbar gemacht werden.

    Umfrage zu Diskriminierung 2015

  • Es geht um diskriminierenden Erfahrungen, die Sie selbst gemacht oder von denen Sie erfahren haben.
  • Es geht um alle Lebens·bereiche (Schule, Arbeit, Versicherung, Öffentlicher Nah·verkehr).
  • Es geht um Diskriminierungen wegen des Lebens·alters, einer Behinderung, des Geschlechts, der Herkunft, der Religion oder Welt·an­schauung sowie der sexuellen Identität. Die sind nämlich alle nach dem Allgemeinen Gleich·be­handlungs·ge­setz (AGG) verboten.

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Schwerbehindertenvertretungen haben BbSD nicht verdient

Keine Frage, die betrieblichen Schwerbehindertenvertretungen (SbV) sind wichtig. Sie müssen unterstützt und gestärkt werden. Aber noch mehr Hilfe braucht ihre Arbeitsgemeinschaft. Die ist ein eingetragener Verein mit dem sperrigen Titel „Bundesarbeitsgemeinschaft der betrieblichen Schwer­behin­derten­vertretungen in Deutschland e.V. (BbSD)“. Leider erscheint die BbSD in ihrem Auftreten unbeholfen. Das beginnt schon mit ihrem Internetangebot bbsdev.de. Das ist hoffnungslos veraltet und noch nicht einmal barrierefrei. Vor allem hat die Bundes-AG ein sprachliches Problem: Sie kann ihre Ziele und Forderungen nicht formulieren.
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Fristablauf: Regelbedarfsstufe 1 für volljährige Menschen mit Behinderung

Zum Jahresende läuft eine Frist für volljährige Menschen mit Behinderung aus, die bei den Eltern oder in einer WG leben und deshalb nicht Regelbedarfsstufe 1 erhielten. Das Bundessozialgericht (BSG) hat in diesem Jahr festgestellt, dass es gegen den Gleicheitsgrundsatz verstößt, ihnen eine schlechtere Regelbedarfsstufe zuzuweisen und sie finanziell schlechter zu stellen. Für das Jahr 2013 lohnt sich also eine Überprüfung des Bescheides. Leider spielen hier wohl einige Stellen der öffentlichen Hand auf Zeit.

Die vollständige Sachlage findet sich bei http://tacheles-sozialhilfe.de … . Hier gibt es auch einen Muster-Antrag, um gegen die Ungleichbehandlung vorzugehen. Die Begründung im Muster-Antrag ist übrigens leichter zu verstehen, als der Artikel.

Frauen mit Behinderung endlich besser vor Gewalt schützen!

Frauen mit Behinderungen sind in einem erschreckenden Ausmaß von Gewalt betroffen. Das wurde bereits 2011 einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) festgestellt. Bund und Länder stehen vor der Aufgabe, gemeinsam Maßnahmen in Angriff zu nehmen, die Frauen mit Behinderungen wirkungsvoll vor Gewalt schützen. Seit 2012 gibt es dazu auch einen Beschluss der GFMK. Das ist die „Konferenz der Gleichstellungs- und Frauen·ministerinnen, -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder“. Im Beschluss von 2012 steht, dass „wirksame Maßnahmen zu erarbeiten [sind], um dem erschreckenden Ausmaß an Gewalt entschieden und konsequent entgegenzuwirken„. Aber passiert ist wieder Mal nichts.

Weil die GFMK sich am 1. und 2. Oktober in Berlin trifft, fordert die Monitoring-Stelle zur UN-Behinderten·rechts·konvention die Beteiligten auf, ihren Beschluss endlich umzusetzen. Valentin Aichele leitet die Monitoring-Stelle. Er sagt:

„Um Frauen mit Behinderungen nachhaltig und effektiv vor Gewalt zu schützen, bedarf es einer zuständigkeits·übergreifenden Strategie: Prävention muss durch verfügbare Ansprechpartner in Einrichtungen und barriere·freie Beratungs·angebote sowie durch die Stärkung der Autonomie von Frauen mit Behinderungen erfolgen“.

Seine Meinung ist auch, dass Institutionen und Verfahren barrierefrei zugänglich sein müssen, um Frauen mit Behinderungen die Durchsetzung ihrer Rechte zu ermöglichen. Außerdem müssten Frauen mit Behinderungen nach einer Gewalt·erfahrung Maßnahmen der Rehabilitation und Entschädigung in Anspruch nehmen können.

Der Arbeitsplatz von Menschen mit Behinderung

Nur 37 Prozent der Beschäftigten mit Behinderung gehen davon aus, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeits·bedingungen bis zur Rente durchhalten können – 52 Prozent rechnen gar nicht damit.

Das ist ein Ergebnis der von der Gewerkschaft ver.di in Auftrag gegebenen Auswertung der „Arbeits·bedingungen von Menschen mit Behinderung“.

Die Umfrage zeigt laut ver.di auch, dass es in Betrieben mit einer Schwer·behinderten·vertretung (SBV) deutlich mehr behinderten·gerechte Arbeitsplätze gibt als in denen ohne eine solche Vertretung. „Na, logisch“ denken wir. Doch ver.di geht einen Schritt weiter und fordert uns auf: Nehmt an den Wahlen zu den Schwer·behinderten·ver­tretungen teil! Die Wahlen sind jetzt im Oktober und November 2014.