Lieber Opel-Zoo in Kronberg,

Dich haben wir neulich besucht und mussten nach einer halben Stunde erschöpft aufgeben. Die Lage im Taunus lässt es erahnen: Der Zoo liegt am Hang.

Auf deiner Webseite fanden wir unter „Behindertengerechte Einrichtungen“ u.a. folgende Aussagen:

  • Die Wege im Opel-Zoo sind bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Waldlehrpfad) mit dem Rollstuhl befahrbar.
  • Beachten Sie aber bitte, dass unser Gelände teilweise sehr steil ist.
  • Wir verfügen über behindertengerechte sanitäre Einrichtungen und auch in das Zoorestaurant gelangt man mit dem Rollstuhl.
Eintrittskarte (Ausschnitt)
Steile Angelegenheit: Der Opel-Zoo

Das klingt doch gut; „teilweise“ kann man ja meiden. Und auch an der Kasse hat man uns auf Nachfrage die Wege als „hügelig“ beschrieben und dazu mit der Hand eine wellenförmige Bewegung gemacht, wie bei einem hawaiianischen Tanz.

Aber hinter dem Eingangsbereich muss man sich entscheiden: Rechts ist der Ausgang, links gibts Kaffee, eine Behindertentoilette und eine Aussichts-Terasse auf die Savanne. Will man aber zu den Tieren (und beim Zoo-Besuch ist das meistens so) muss man geradeaus zum Hauptweg.

Leider ist gerade der Hauptweg extrem steil. Die Begleitung eines Rollstuhlfahres muss bei guter Konstitution sein, um den Rollstuhl bergab halten zu können und erst recht, um ihn samt Inhalt später wieder den Berg hinauf zu wuchten. Wie gesagt: Wir mussten aufgeben. Rollstuhlfahrer ohne Begleitung sind von vorne herein aufgeschmissen.

Und warum schreibe ich Dir das jetzt?

Weil ich Dich bitte, Rollstuhlfahrern und ihrer Begleitung künftig deutlicher zu sagen, dass dein Zoo nichts für sie ist.
Dafür wird jeder Verständnis haben, denn für das steile Geländeprofil kannst Du ja nichts und nachträglich Serpentinen durch das Ziegengehege zu bauen, wäre übertrieben. Schließlich gibt es auch in flacheren Regionen einen Zoo.

Und wenn ich darf, eine Frage noch:

Du gewährst Kindern mit einer Behinderung bei einem GdB zwischen 50 und unter 80 Prozent einen Preisnachlass von gerade 1 Euro, verlangst aber 2 Euro für ein Säckchen Futter-Möhren. Ist das dein Ernst?

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Der Berliner Fernsehturm

Berliner Fernsehturm
Berliner fernsehturm von Stefan Kühn. Lizenz CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Eigentlich ist der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz das Wahrzeichen der Hauptstadt neben dem Brandenburger Tor. Mehr als eine Million Besucher kommen pro Jahr. Umso bestürzender ist es, dass dieser Ort ein verbotener Ort ist. Zumindest für Menschen die nicht ohne fremde Hilfe gehen können. Auf der Internet-Seite des Fernsehturms werden „Unsere mobilitätseingeschränkten Besucher“ gebeten, die „Sicherheitshinweise“ zu beachten. Dort heißt es dann:

„Aufgrund der im Berliner Fernsehturm bestehenden baulichen Gegebenheiten, ist um die Sicherheit der Besucher im Evakuierungsfall zu gewährleisten, Rollstuhlfahrern und Personen mit aktueller Gehbehinderung, d.h. Personen die sich nicht ohne fremde Hilfe oder ohne Hilfsmittel, wie Krücken etc. fortbewegen können, der Zutritt nicht möglich.“ (Quelle)

Die Ironie: „Unsere mobilitätseingeschränkten Besucher“ sind keine, da sie bestenfalls zum Getränke-Kiosk im ersten Stock des Wartebereiches vordringen können. Voraussetzung: Sie benötigen keinen Rollstuhl und schaffen es, sich an den Treppengeländern hochzuziehen, deren Handläufe diesen Namen nicht verdient haben, da sie sich nicht umgreifen lassen.

Wer im Turm-Restaurant „Sphere“ einen Tisch in 207 Meter Höhe reserviert, erhält mit der Bestätigung seiner Reservierung ebenfalls einen Hinweis auf die Zutrittsbeschränkungen. Das ist auch notwendig, denn die Fahrstühle entlassen die Besucher in der unteren der beiden Plattformen. Das Restaurant in der Ebene darüber ist nur über eine weitere Treppe zu erreichen, deren Handläufe noch „unfassbarer“ sind als die unteren.

986 Stufen

Natürlich gibt es für die Zutrittsbeschränkung einen Grund: Da im Brandfall die Fahrstühle nicht genutzt werden dürfen, wären 986 Stufen hinabzusteigen. Da gebe es nur nackten Beton, kein Geländer zum festhalten und im Erstfall drängeln 300 Leute von hinten, so die Erklärung vor Ort.

Doch halt: Nach 45 Jahren kann es nicht zuviel verlangt sein, hier nachzubessern. Auch ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern werden im Ernstfall an den fast 1.000 Stufen scheitern. Am 3. Oktober 2019 wird der Turm 50 – vielleicht können dann auch endlich „mobilitätseingeschränkte Besucher“ Berlin von seinem Wahrzeichen aus bestaunen.