Barrierefrei im Denkmal?

Letzte Woche habe ich meine Jacke versaut, weil ich in ein öffentliches Gebäude musste. Das Gebäude ist alt, seine Fassade besteht aus Sandstein und die sehr hohe Eingangsstufe wird in ihrer behindernden Wirkung noch dadurch verschärft, dass es kein Geländer gibt (auch nicht am Hintereingang). Also habe ich mich mit der Schulter und aller Kraft gegen die Fassade gepresst, um die Stufe zu überwinden. In der Regel heißt es bei Rückfragen, man dürfe aus Gründen des Denkmalschutzes kein Geländer anbringen. „Leider“. Dass der Denkmalschutz in Deutschland wichtiger ist als meine Jacke, das sehe ich ein; aber nicht, dass er wichtiger ist, als meine Würde.

Da trifft es sich gut, dass das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) auf der Europäischen Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung in Leipzig ein spannendes Podiumsgespräch zu dem „immer wichtigeren Thema“ Barrierefreiheit und Denkmalschutz veranstaltet.

Es diskutieren:

  • die Fachbereichsleiterin im Landesdenkmalamt Berlin Anna-Maria Odenthal,
  • der Stadtdenkmalpfleger Norbert Baron,
  • der Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer Joachim Brenncke,
  • der Behindertenbeauftragte des Landes Brandenburg Jürgen Dusel und
  • der Bereichsleiter Technik der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen Siegfried Rehberg.

Moderiert wird das Gespräch von der Journalistin Melanie von Bismarck.

Veranstaltungsort: „denkmal“ Europäische Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung,
Halle 2 – Bühnen-Areal INFO-FORUM Denkmalpflege,
Messe-Allee 1,
04356 Leipzig

Wann: Samstag, 8. November 2014, 11.00-12.00 Uhr

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Gewalt gegen Frauen: reichen 56 Prozent?

An dieser Stelle ging es vor zwei Wochen um die Konferenz der Gleich·stellungs- und Frauen·minister/innen (GFMK) und ihren zwei Jahre alten aber konsequenzlosen Beschluss, Frauen mit Behinderung besser vor Gewalt zu schützen.

Auf der 24. Konferenz der GFMK am 1. und 2. Oktober 2014 in Wiesbaden gab es den TOP 5.4 mit dem Titel „Beauftragte für Frauen in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung“ und folgendem Beschluss:

Die 2013 vom BMFSFJ veröffentlichte repräsentative Studie „Lebens­situation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in Deutschland“ hat ein selbst für Fachleute erschreckendes Maß an Gewalterfahrung von Frauen mit Behinderungen offenbart. Jede zweite bis dritte Frau der in der Studie Befragten war in Kindheit und Jugend oder im Erwachsenenalter von sexueller Gewalt betroffen – weit mehr als im weiblichen Bevölkerungsdurchschnitt. Als besonders belastet erwiesen sich dabei mit 56% der Betroffenen psychisch erkrankte Frauen, die in Einrichtungen leben.

Aus diesem Grund ist ein wesentlicher Teil der Politik für Frauen mit Behinderungen in Bund und Ländern Gewaltpräventions-Politik. Die Bundesregierung fördert in diesem Zusammenhang ein Projekt zur Einführung von Beauftragten für Frauen in Einrichtungen (zunächst nur für Menschen mit Lernbehinderung). Ziel ist es, in Wohnheimen und Werkstätten zu einer Sensibilisierung für das Thema Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen beizutragen und Grenzverletzungen und Übergriffe möglichst zu verhindern. Beauftragte für Frauen aus dem Kreis der Frauen mit Behinderungen sollen dabei als Vertrauenspersonen und Ansprechpartnerinnen sowie als Verbindungsglied zu den Einrichtungsleitungen fungieren. In einem von 2008 bis 2011 laufenden Pilotprojekt wurden in bundesweit 16 Werkstätten und Wohnheimen Beauftragte für Frauen geschult und ausgebildet. In einem weiteren Schritt sollen in möglichst allen Bundesländern Schulungen für Multiplikatorinnen stattfinden, die wiederum Beauftragte für Frauen für ihre Aufgaben ausbilden.

Die GFMK bittet die Bundesregierung und die Länder, parallel zur Erprobungs- und Einführungsphase von Beauftragten für Frauen in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung zu prüfen, in welchem Umfang und mit welchen Regelungen deren Funktion und Aufgaben gesetzlich verankert werden können.

Quelle
http://www.gleichstellungsministerkonferenz.de/documents/2014_10_13_Beschluesse_GESAMT_Extern.pdf
zuletzt aufgerufen am 15.10.2014

Jetzt nochmal die eingangs gestellte Frage:

  • Reichen 56 Prozent? und
  • Was ist mit den anderen 44 Prozent?
  • Und wenn das Pilotprojekt bereits 2011 abgeschlossen wurde, wieso hat es dann drei Jahre gedauert, bis die zuständigen Fachminister/innen den Bund und die Länder (also sich selbst) um einen Prüfauftrag hierzu „bitten“?

Erhellende Kommentare gerne unten.

„Inklusion im Mittelstand“ (Fachtagung)

Fachtagung „Inklusion im Mittelstand – Neue Chancen für junge Menschen mit Behinderung und Benachteiligung“

Hamburg, Handelskammer, 15. Oktober 2014

(Quelle: f-bb) Ein inklusives Bildungssystem bedeutet den gleichberechtigten Zugang zu beruflicher Bildung für alle Menschen. Künftig sollten deshalb mehr Jugendliche mit Behinderung – aber auch andere sozial benachteiligte Gruppen – direkt nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule den Weg in eine duale Ausbildung finden können.

Auf der Veranstaltung des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) werden Beispiele aus dem Entwicklungsprojekt TrialNet präsentiert – auch die Auszubildenden kommen zu Wort. Darüber hinaus stellen das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) und die Handelskammer Hamburg Konzepte und praktische Er­fahrungen inklusiver Berufsbildung aus dem „Hamburger Ausbildungsmodell“ und aus dem Projekt „dual & inklusiv: Berufliche Bildung in Hamburg“ vor.

Vorträge umreißen das vielfältige Spektrum der Inklusionsbemühungen in Deutschland. Darüber hinaus gibt es ein Fachgespräch mit:

  • Raimund Becker von der Bundesagentur für Arbeit,
  • Dr. Rolf Schmachtenberg vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales,
  • Philipp Hennerkes von Edeka und
  • Ingrid Körner, der Gleichstellungsbeauftragten der Hansestadt Hamburg.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. (Anmeldung im Internet)