lobby4kids: Erst der Mensch

Irene Promussas, Obfrau der Selbsthilfegruppe Lobby4kids und Mutter einer 15-jährigen Tochter mit chronischer Erkrankung, kämpft für Inklusion und hat dem Standard (7.8.15) ein wirklich lesenswertes Interview gegeben:

Zuerst den Menschen, dann sein Handicap. Es ist ein Unterschied, ob es heißt: behindertes Kind oder Kind mit Behinderung.

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Lieber Opel-Zoo in Kronberg,

Dich haben wir neulich besucht und mussten nach einer halben Stunde erschöpft aufgeben. Die Lage im Taunus lässt es erahnen: Der Zoo liegt am Hang.

Auf deiner Webseite fanden wir unter „Behindertengerechte Einrichtungen“ u.a. folgende Aussagen:

  • Die Wege im Opel-Zoo sind bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Waldlehrpfad) mit dem Rollstuhl befahrbar.
  • Beachten Sie aber bitte, dass unser Gelände teilweise sehr steil ist.
  • Wir verfügen über behindertengerechte sanitäre Einrichtungen und auch in das Zoorestaurant gelangt man mit dem Rollstuhl.
Eintrittskarte (Ausschnitt)
Steile Angelegenheit: Der Opel-Zoo

Das klingt doch gut; „teilweise“ kann man ja meiden. Und auch an der Kasse hat man uns auf Nachfrage die Wege als „hügelig“ beschrieben und dazu mit der Hand eine wellenförmige Bewegung gemacht, wie bei einem hawaiianischen Tanz.

Aber hinter dem Eingangsbereich muss man sich entscheiden: Rechts ist der Ausgang, links gibts Kaffee, eine Behindertentoilette und eine Aussichts-Terasse auf die Savanne. Will man aber zu den Tieren (und beim Zoo-Besuch ist das meistens so) muss man geradeaus zum Hauptweg.

Leider ist gerade der Hauptweg extrem steil. Die Begleitung eines Rollstuhlfahres muss bei guter Konstitution sein, um den Rollstuhl bergab halten zu können und erst recht, um ihn samt Inhalt später wieder den Berg hinauf zu wuchten. Wie gesagt: Wir mussten aufgeben. Rollstuhlfahrer ohne Begleitung sind von vorne herein aufgeschmissen.

Und warum schreibe ich Dir das jetzt?

Weil ich Dich bitte, Rollstuhlfahrern und ihrer Begleitung künftig deutlicher zu sagen, dass dein Zoo nichts für sie ist.
Dafür wird jeder Verständnis haben, denn für das steile Geländeprofil kannst Du ja nichts und nachträglich Serpentinen durch das Ziegengehege zu bauen, wäre übertrieben. Schließlich gibt es auch in flacheren Regionen einen Zoo.

Und wenn ich darf, eine Frage noch:

Du gewährst Kindern mit einer Behinderung bei einem GdB zwischen 50 und unter 80 Prozent einen Preisnachlass von gerade 1 Euro, verlangst aber 2 Euro für ein Säckchen Futter-Möhren. Ist das dein Ernst?